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Die Sage vom Kampf am Schwarzbach

 

Trüb und neblig war es zu Ende des Brachmonats 1332, mehr als eine Woche lang war der Himmel düster verhängt gewesen, so als ob jeden Augenblick ein Gewitter losbrechen könnte. Aber der Himmel blieb ruhig, weniger die Krähen, die seit Tagen in grossen Scharen den Hubel- und den Geerenwald umschwärmten. Ohne jeden Grund erhoben sich plötzlich die Schwarzröcke zu Hunderten aus dem Hubelwald, umkreisten unter überlautem Gekrächze den Geerenwald, flogen als schwarze Wolke unter überlautem Gekrächze über den Geerenwald und als schwarze Wolke ins Wäldchen bei der Kapelle zu Agelstorf (St. Niklaus). Nach kurzer Rast ging es zurück in den Hubelwald, und von dort aus begann, kaum hatten sich die Scharen in den Bäumen niedergelassen, das Schauspiel von neuem. Und dies seit mehr als einer Woche, tagsüber mehrere Male. Auf der Burg Coppingen und im Dorf war man beunruhigt, hiess es doch, wenn sich die Krähen in Scharen sammelten, sei dies immer ein Warnungszeichen, ein schlimmes Ereignis, ein Unglück stehe bevor.


Auf der Burgzinne zu Coppingen standen vier Männer, die Ritter Berthold von Thorberg und Ulrich von Coppingen sowie die beiden Brüder des letzteren, Johann von Coppingen, Prior zu Interlaken, und Heinrich von Coppingen, Leutpriester zu Kirchberg, die das merkwürdige Treiben der Krähen bestaunten. Die vier Männer hatten soeben einen schwerwiegenden Akt vollzogen: Ritter Ulrich von Coppingen hatte im Einverständnis mit seinen Brüdern die ganze Herrschaft Coppingen mit dem Kirchensatz der Klauskappele zu Agelstorf (St. Niklaus) dem Ritter Berthold von Thorberg verkauft. Vom Burgvogt auf das Treiben der Krähen aufmerksam gemacht, waren die Vier auf die Burgzinne gestiegen, um sich das Schauspiel anzuschauen, just als sich drüben beim Geerenwald etwas Neues ereignete. Aus dem Wald marschierte ausser Zweifel eine Kolonne Bewaffneter, die plötzlich von allen Seiten von den Krähen umschwärmt wurden. Immer und immer wieder stachen wirbelnde Krähenschwärme auf die Kolonne nieder, die sich den kreischenden Angreifern kaum erwehren konnte. Der Ritter von Thorberg erkannte in der kriegerischen Schar Berner und Solothurner, welch letztere sogar das Hauptbanner mit sich führten. Für die vier auf der Burgzinne war der Zug ein Rätsel, man wusste, dass Berner und Solothurner vor Gümminen lagen, dass das Städtchen und die Burg dem Erdboden gleichgemacht worden war, was aber das vor Augen liegende Geschehen, es handelte sich bei der Kolonne ausser Zweifel um die Nachhut des Gümminer Belagerungsheeres, was das zu bedeuten hatte, konnte sich keiner erklären. Die Marschrichtung der Kolonne zu ihren Heimatstädten, Bern und Solothurn, war entgegengesetzt. Es musste sich um etwas anderes handeln. Indessen hatte sich die Kolonne Oeschfurt genähert, verschwand eine Zeitlang in den dortigen Bäumen und bewegte sich nun, es waren, an die tausend Mann, der Kapelle in Agelsdorf (St. Niklaus) zu. Aus dieser Wegstrecke wurden die Krähen äusserst aggressiv, zu Hunderten flatterten sie vor allem auf die Spitze der Kolonne nieder, so als wollten sie diese zum Stehen bringen. Wie die Kolonne ins Wäldchen bei der Kappelle gelangte, liessen sich die Krähenschwärme in den Bäumen nieder und verstummten. Nach kurzer Rast marschierte die Kolonne weiter ins breite Tal von Alchenstorf, ohne mehr durch die Krähen belästigt zu werden. Des Rätsels Lösung folgte nun rasch. Die Vier auf der Burgzinne hatten sich noch kaum von ihrem Staunen erholt, als lautes Geschrei und Waffengeklirr aus der Gegend von Unteralchenstorf herüberdrang, damit aufzeigend, dass dort ein heftiger Kampf entbrannt war. Aber wer war der Gegner oder Angreifer der Berner und Solothurner? Rasch sammelten die beiden Ritter ihr Gefolge, und die kleine, aber gut bewaffnete Streitmacht ritt ans jenseitige Gatter von Oeschfurt, an den Schwarzbach. Hier bot sich ihnen nun ein grausiges Bild! Zwei ansehnliche Heerhaufen waren unten auf dem Grund aneinandergeraten. Unten, rückseitig an den Schwarzbach angelehnt, standen die Berner und Solothurner, mit vorgestreckten Speeren eine kaum zu durchbrechende Igelstellung bildend. Die Angreifer, Reiter und Fussvolk in kyburgischen Farben mit schwarzweissen Standarten, brandeten immer wieder von der Speermauer zurück. Doch plötzlich geschah etwas Ausserordentliches. Ein Reiter auf einem grossen Schlachtross sprengt in wildem Anlauf mitten in die Speermauer, Pferd und Reiter wurden augenblicklich von vielen Speeren durchbohrt, aber in die durch den Opfertod des kühnen Reiters entstandene kleine Lücke in der Speermauer stiessen nun die Kyburger wuchtig nach, und nach kurzem heftigen Kampf löste sich die bernisch-solothurnische Schar vollständig geschlagen auf. Wer sich retten konnte, floh bachabwärts Oeschfurt zu, wo die Ritter von Thorberg und von Coppingen mit ihrem Gefolge eine weitere Verfolgung verunmöglichten. Doch schon so war das Unheil gross, an die 200 Gefallene wurden bestattet, die Solothurner hatten zudem ihren Hauptbanner verloren. Der bernische Anführer, der heil geblieben war, berichtete sodann in der Burg Coppingen, wie es zu diesem bösen Treffen gekommen war. Vor Gümminen, der Hauptharst der Berner war schon in die Stadt zurückgekehrt, überredete ein Solothurner, namens Billung, die Nachhut, einen Rache- und Beutezug ins Kyburgerische zu unternehmen. Er kenne einen guten und sicheren Weg, um ungeschoren ins Wynigental mit seinen reichen Höfen in Bickigen und Grafenscheuren zu gelangen. Billung war ein Verräter, der mit dem Feind, dem Grafen von Kyburg, den Plan abgesprochen hatte. Niemand ahnte, dass hinter dem Wendelberg (Fengelberg) eine starke kyburgische Schar im Hinterhalt lag. Der Berner meinte abschliessend, beklagend:" Daran ist nicht zu zweifeln, dass uns die Krähen haben warnen wollen, sie wollten unseren Marsch vom Wald bis zur Kappelle aufhalten, wir aber haben sie nicht verstanden. Als sie sich dann bei der Kappelle auf die Bäume niederliessen, verstummten und uns auch nicht weiter ins Tal hinaus folgten, beschlich uns ein ungutes Gefühl, das bald durch die furchtbare Tatsache des Überfalls geklärt wurde."


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